Der optimale Bass-Lautsprecher, Grundlagen

Dr.-Ing. Peter Strassacker
Email: peter@lautsprechershop.de

Wir werden immer wieder nach dem impulstreuen Ultrabass bis 8 Hz gefragt. Daher habe ich nachfolgenden Artikel als Diskussionsgrundlage für Tiefbass mit hoher Impulstreue geschrieben. Die Frequenzangaben sind durch Simulation errechnet. Auf einer anderen Seite beschreiben wir wie man zu einen High-End-Subwoofer entwirft.

Die Tiefbasseigenschaft eines Lautsprechers hängt von seinen Eigenschaften ab:

  • dem Membrangewicht (je schwerer, desto träger und tiefer die Resonanz)
  • der Rückstellkraft durch die Membran-Einspannung und den Luftvolumens hinter der Membran
  • der Membranfläche (je größer, desto leichter lösen sich die tiefen Töne)
  • der Antriebsstärke der Membran: Je stärker der Magnet, desto straffer der Bass, desto früher fällt er aber auch ab, da die Resonanz weniger ausgeprägt ist und den Tieftonbereich weniger anhebt.

    Zuerst zu den physikalischen Grenzen, am Beispiel eines geschlossenen Tieftöners, also einseitig abstrahlende Membran (im Beispiel sind die Daten von 2 Stück Alcone AC12 SW-8 voreingestellt).

    Für einen Tiefbass mit nennenswerter Lautstärke wird eine gewisse Membranfläche mit einem deutlichen Hub benötigt. Dies können Sie nachfolgend selbst durch Eingabe von Daten ausprobieren: (Der Schalldruck wird natürlich nur erreicht, wenn der Lautsprecher auch die elektrische Leistung verträgt).
     

    Maximaler Schalldruck Komma bitte als "." eingeben
    Durchmesser der
    Schallöffnung in cm:
    Anzahl der
    Lautsprecher:
    max. lineare
    Auslenkung in mm: +/-
    Frequenz in Hz:
           

    eff. Membranfläche
    max. Schalldruck im
    geschlossenen Gehäuse:
    max. Schalldruck in
    Bassreflexbox:
    cm2 dB (1m) dB (1m)  
    Copyright © Iris Strassacker, 2004. Alle Rechte vorbehalten - Gewährleistung ausgeschlossen

    Von R. H. Small gibt es noch einen Zusammenhang zwischen Wirkungsgrad W (in %),
    unterer Grenzfrequenz F3 (-3dB in Hz) und Gehäusevolumen V (in L):
          Wirkungsgrad W (in %) = 10-6 x Kn(G) x F3 x Vb
    Leider ergibt diese Formel recht hohe maximale Wirkungsgrade, die selten erreicht werden können, so dass wir uns eine Auswertung hier schenken.
     

    Maximaler Wirkungsgrad (nach Small) Komma bitte als "." eingeben
    Untere Grenz-
    frequenz (-3 dB):
    Gesamtgüte des
    Chassis Qts:
    Gesamtgüte der
    geschlossenen
    Box Qtc:
    Volumen
    der Box
    in Liter:
           
    unter optimalen Bedingungen
    maximal erreichbarer
    Wirkungsgrad bei Abstrahlung
    in den Halbraum
    im geschlossenen
    Gehäuse:
    in der Bass-
    reflexbox:
    dB (1W/1m) dB (1W/1m)  
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    Optimal abgestimmte Bassreflexlösungen erbringen einen rund 4 dB höheren maximalen Schalldruck als die geschlossene Box, was Ihnen der Rechner oben auch angibt.

    Das ist aber der wesentliche Punkt: Die optimale Abstimmung, so dass Tiefbass mit dem notwendigen Pegel, jedoch ohne Taumeln der Membran erzeugt wird.

    Gehen wir von einem bekannten großen Tieftöner aus:

    Visaton TIW 400

    Er ist ein ein guter Tieftöner für Tiefbass. Mit 23 Hz Resonanzfrequenz erzeugt er in 200 Liter als Bassreflexbox Tiefen ab ca. 23 Hz (-8dB).

    Soll die Impulstreue höher sein, so erzeugt er in einem geschlossenen 60 bis 100 Liter-Gehäuse einen straffen Bass, jedoch erst ab ca. 35 Hz (-8dB). Diesen kann man verstärken, indem man einen Vorwiderstand von 2 Ohm in Reihe schaltet (dann 100 Liter-Gehäuse verwenden) und so erreicht er wieder knapp unter 30 Hz.

    Hinweis:
    Ein Bassreflexgehäuse zu einem vorgegebenen Lautsprecher muss größer sein als das passende geschlossene Gehäuse. Ein Bassreflexgehäuse sollte nicht ausprobiert, sondern zuerst berechnet werden (was wir gerne für Sie machen).

    Im Bandpass kann durch eine große geschlossene Kammer die Resonanz tief herunter gesetzt werden - durch eine kleine Vorkammer wird dann eine große Bandbreite erreicht, die bei geringem Wirkungsgrad den Lautsprecher breitbandig bis zu tiefen Frequenzen übertragen lässt. Bei um 10 dB reduziertem Wirkungsgrad erreicht der TIW 400 dann deutlich unter 20 Hz, wobei das BR-Rohr so lang oder schmal wird, dass es durch eine Passivmembran ersetzt werden sollte.

    kleinere Gehäuse: Sub 12 mit Alcone AC 12 SW-8

    Es fallen keine Wunder vom Himmel. Der AC12 SW-8 erzeugt in einem 45 Liter-Gehäuse (wie im Sub 12) einen Bass der die Tiefe und Qualität des TIW 400 erreicht und überschreitet. Der Preis hierfür (er ist ja viel kleiner): Der deutlich geringere Wirkungsgrad, weswegen er mit einer 300 / 600 Watt Sinus/Musik Endstufe ausgestattet wurde und dennoch nicht die Lautstärke des T-40 mit einer 100 / 200 Watt Endstufe erreicht. Dennoch verkörpert der Sub 12 das Maximum, was mit einer so kleinen Box bei hoher Qualität erzeugt werden kann.

    Eminence Omega Pro 18

    Einen Omega Pro 18 lässt sich durch die Wirkungsgradverminderung im Bandpassgehäuse ebenso zähmen. In einem 200 Liter-Gehäuse mit 10 dB Wirkungsgradverlust überträgt er spielend ab unter 20 Hz in einem 330 Liter-Gehäuse lassen sich sogar 14 Hz (-8dB) Grenzfrequenz in der Simulation berechnen.

    In geschlossenen oder BR-Gehäusen sind die PA-Lautsprecher hingegen laut und haben eine geringe Bandbreite. Eine Methode sie zu zähmen: Den Spulen einen Vorwiderstand vorschalten (also den Magneten schwächen) und somit die Lautsprecher-Resonanz besser nutzen um im Tieftonbereich den Lautsprecher zu unterstützen.

    Hinweis:
    Mit dem Vorschalten eines Vorwiderstandes sollte dann auch immer das Gehäuse vergrößert werden. Denn je schwächer der Magnet, desto größer sollte das Gehäuse sein. Diese anscheinend wenig bekannte Methode bietet enorme Möglichkeiten der perfekten Abstimmung des Magneten bzw. des Basses. Aber auch hier gibt es eine Grenze: Die Auslenkung des Tieftöners. ... wenn dieser mechanisch an seine Grenzen stößt.

    Für Craaft, Fane, Monacor, RCF gilt das Gleiche.

    High Tec mit Kevlar und Waben: Eton

    Der Eton 11-581/50 HEX hat mit 23 Hz eine geringe Resonanzfrequenz. Er ereicht in 40 Liter im BR-Gehäuse ca. 30 Hz (-8dB). In einer geschlossenen Box mit 50 Liter Volumen erreicht er mit einer hervorregenden Impulstreue 40 Hz, die mit einem 4 Ohm Vorwiderstand in einer 75 Liter Box auf unter 30 Hz verschoben werden können. Der Eton 12-680/62 HEX erzeugt im 90 Liter BR-Gehäuse ab 27 Hz (-8dB). In einem geschlossenen 40 Liter-Gehäuse ist die Grenzfrequenz etwa 40 Hz (-8dB).

    kleine mit Passivmembran

    Kleine, per BR-Rohr tief abgestimmte Boxen lassen sich schwer bauen, da oft das BR-Rohr unrealistisch lang oder dünn sein müßte. Hier hilft die Passivmembran, die durch Zusatzgewichte leicht tief abgestimmt werden kann. Damit arbeiten:

    Peerless XLS-10 und Bass Exciter BX10 Sie erreichen mit ihrer Passivmembran bereits in 30 Liter Volumen Frequenzen ab 20-30 Hz.

    mehrere Membranen

    Große Membranen bewegen sich nicht an allen Stellen in Phase; der äußere Teil hinkt nach. Daher sind mehrere kleine vorzuziehen. Diese geben durch ihre größere Fläche die tiefen Töne wesentlich leichter die Umgebung ab, als man erwartet. Leider berücksichtigt dies fast kein uns vorliegendes Simulationsprogramm.